Im Jahre 1912 wurde die Paläontologische Gesellschaft auf Initiative des Greifswalder Paläontologen Otto Jaekel begründet. Diese wissenschaftliche Gesellschaft sollte der Paläontologie als eigenständiges, biologisch ausgerichtetes Fach ein Gewicht geben, ohne dass dabei ihre Herkunft aus der Geologie vernachlässigt würde.

In England bestand eine ähnliche Institution bereits seit 1847, somit war der Schritt von deutscher Seite längst überfällig. Allerdings erfolgte die Gründung nicht unter nationalen Aspekten, sondern wurde vielmehr schon von ihrem Gründer international – zumindest auf den deutschsprachigen Raum und seine Nachbarländer bezogen - ausgerichtet. Zur ersten Jahrestagung trafen sich im Herbst 1912 in Halberstadt bereits 34 der 143 Mitglieder. Neben der internationalen Vernetzung der Paläontologie sind die Jahrestagungen und die Herausgabe der seit 1914 erscheinenden "Paläontologischen Zeitschrift" die zentralen Aufgaben der Gesellschaft.

Die beiden Weltkriege bedeuteten naturgemäß tiefe Einschnitte. Im ersten Weltkrieg und der danach folgenden Notzeit mussten die Jahrestagungen von 1914 bis 1920 ausfallen. Dem internationalen Anspruch entsprechend konnte die Jahrestagung 1928 in Budapest erfolgen. Das Interesse der benachbarten Länder an unserer Gesellschaft kam unter anderem auch bei der über Jahre fast gleichbleibenden Zahl von 80 ausländischen neben rund 130 deutschen Mitgliedern zum Ausdruck.

Die Zeit des Nationalsozialismus ist ein sehr dunkles Kapitel, obwohl die Paläontologie ideologisch nicht missbraucht werden konnte. Aus rassischen Gründen verloren einige Paläontologen ihre Stellung, manche wahrscheinlich sogar ihr Leben. Von denen, die zur Emigration gezwungen wurden seien hier nur die Namen F. Zeuner und T. Edinger genannt. Das bedeutete einen großen Verlust für die Paläontologie in Deutschland. In den Berichten über die Tagungen und damit in der "Paläontologische Zeitschrift" finden sich nur ganz ausnahmsweise ideologische Floskeln. 1938 wurde die Gesellschaft in "Deutsche Paläontologische Gesellschaft" umbenannt. Der Name erschien jedoch nur auf dem Titelblatt von drei Bänden. Von 1940 bis 1949 konnten wegen des Krieges und seiner Folgen keine Jahrestagungen abgehalten werden.

1950 wurde der jährliche Rhythmus mit einer Tagung in München wieder aufgenommen. Für die Mitglieder aus der DDR wurde die Teilnahme an den Tagungen immer schwieriger und ab 1961, mit dem Bau der Mauer, unmöglich. Gleichzeitig wurde ihnen die Mitgliedschaft an einer "westlichen" Gesellschaft verboten. Die Gesellschaft ließ ihre Mitgliedschaft ruhen und fand Wege, ihnen zumindest teilweise die Zeitschrift dennoch auszuliefern. So konnte nach der Wiedervereinigung die Mitgliedschaft sogleich wieder aufleben. Dabei war es von Bedeutung, dass sich in der DDR keine eigenständige Fachgesellschaft für die Paläontologie – wie etwa für die Geologie – gebildet hatte. Die Trennung war schnell überwunden und die Brücke erwies sich bereits 1991 wieder als voll tragfähig, als die Tagung im Naturkundemuseum der Humboldt-Universität in Berlin ausgerichtet wurde.

Wegen des bereits bei der Gründung angestrebten internationalen Anspruchs hielt die Gesellschaft viele ihrer Jahresversammlungen im benachbarten Ausland ab (Basel 1982, Budapest 1994, Eggenburg 1991, Graz 1972, Louvain–La-Neuve 1986, Maastricht 1978, Newcastle upon Tyne 1967; Prag 1993, Wien 1954 und 1963, Zürich 1965 und 1999). Dennoch wurden in der Schweiz und dann 1966 in Österreich eigenständige paläontologische Gesellschaften gegründet, die unter anderem nationale Interessen verfolgen.

Die Paläontologische Gesellschaft wurde als Fachgesellschaft gegründet und hat einen hohen akademischen Anspruch. Mitgliedern, die sich im Fach besonders hervorgetan haben, kann die "Ehrenmitgliedschaft" angetragen werden. Herausragende ausländische Mitglieder werden als "Korrespondierende Mitglieder" geehrt. Für die Paläontologie sind aber auch die vielen Laien als Sammler von großer Bedeutung. So öffnete sich die Paläontologische Gesellschaft ganz speziell dieser Gruppe und zeichnet seit 1984 herausragende Sammler und Amateurpaläontologen mit der "Karl v. Zittel-Medaille" aus.

Die fachliche Spezialisierung und der Wunsch nach Treffen im Kreis der unmittelbaren Fachkollegen führte zur Gründung verschiedener Arbeitskreise, etwa zur Paläobotanik oder zur Wirbeltierpaläontologie. Die Paläontologische Gesellschaft hat bislang erfolgreich darum gerungen, dass sich diese Arbeitskreise als Teil der Gesellschaft fühlen und sich nicht verselbständigen, damit die Bedeutung der Gesellschaft als Vertretung des Faches nicht geschmälert wird. 
Die Paläontologische Gesellschaft hat das Recht bei der DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft) Fachgutachter vorzuschlagen und tritt in akuten Fällen für die Belange des Faches ein. Bei der Rettung der Grube Messel Ende der 80er Jahre konnte sie ihr Gewicht erfolgreich einbringen.

Die "Paläontologische Zeitschrift", die seit 1912 regelmäßig erscheint, hat im Laufe der Jahre eine kontinuierliche Entwicklung durchgemacht. Das zeigt sich nicht nur in Drucktechnik und Format sondern auch in der Redaktion. Konnte die Zeitschrift früher allein von dem jeweils gewählten Schriftführer redigiert werden, erwies es sich als sinnvoll, 1987 den Stab zu erweitern. Im Jahr 2000 wurde ein obligates "Gutachtersystem" eingeführt, um allen internationalen Standards zu entsprechen und damit der Zeitschrift ein ihr entsprechendes Gewicht zu geben. Auch die Zahl der englisch geschriebenen Beiträge stieg kontinuierlich an, auch wenn manche Mitglieder mit Sorge den Rückgang der deutschen Sprache als wissenschaftliches Kommunikationsmittel bedauerten. Die zunehmende Spezialisierung im Fach brachte es mit sich, dass die in der Zeitschrift veröffentlichten Beiträge immer spezieller zu werden drohten. Um den allgemeinen Charakter der Zeitschrift zu erhalten, wurde besonderer Wert auf Übersichtsartikel gelegt.

In den Siebziger Jahren stieg das Bedürfnis, neben der wissenschaftlichen Zeitschrift die Kommunikation zwischen den Mitgliedern über ein aktuelles Mitteilungsblatt zu ermöglichen. Seit 1980 erfüllte das kostengünstig hergestellte "Paläontologie aktuell" diesen Zweck und erlaubte auch persönlich gefärbte Stellungnahmen zu aktuellen Themen. Es erschien jeweils zusammen mit der Zeitschrift zweimal im Jahr. 2000 ging "Paläontologie aktuell" in "GMIT" (Geowissenschaftliche Mitteilungen) auf, einem gemeinschaftlichen Mitteilungsblatt der geowissenschaftlichen Gesellschaften in Deutschland, das nun in jedem Quartal erscheint. "Paläontologie aktuell" wird dank der modernen Technik im Internet auf der Homepage der Gesellschaft weitergeführt.

Die Zahl der Mitglieder schwankte im Jahr 2002 um die Marke von 1000, worunter mit etwa 15% erfreulich viele Kolleginnen und Kollegen im Ausland beheimatet sind. Seit 2006 ist die Zahl der Mitglieder immer deutlich über 1000, aktuell sind 1067 Personen Mitglied der Paläontologischen Gesellschaft.

Im Jahr 2012 wird es zum 100jährigen Bestehen der Gesellschaft besondere Aktivitäten geben.

 

Informationen zur Tagung in China vom 10.-13. Oktober 2017

 

Nach der erfolgreichen ersten gemeinsamen Tagung mit der Palaeontological Society of China in Göttingen im September 2013 gab es viel Fortschritt in der Paläontologie und verwandten Wissenschaften zwischen China und Deutschland. Um diesen Fortschritt zusammenzufassen und die Ergebnisse zu präsentieren, wird eine zweite gemeinsame Tagung in Yichang, Provinz Hubei, China vom 10.-13. Oktober 2017 stattfinden.

Das erste Zirkular kann hier heruntergeladen werden.

Aktuelle Meldungen

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Das erste Zirkular zur Joint Conference mit der Palaeontological Society of China wurde mit ...

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Die 88. Tagung der Paläontologischen Gesellschaft findet vom 26. - 30. März an der Westfälischen ...

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