Fossil des Jahres 2013

Auf der Jahrestagung zum 100-Jährigen Jubiläum der Paläontologischen Gesellschaft in Berlin vom 26. bis 28.9.2012 wurde dem Gomphotherium von Gweng aus der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie in München der Preis Fossil des Jahres 2013 verliehen. 

Das Skelett des Gomphotheriums von Gweng (Mühldorf, Bayern) bildet seit über 30 Jahren den majestätischen Mittelpunkt des Paläontologischen Museums in München. Dieser kolossale Ur-Elefant mit vier Stoßzähnen und einer imposanten Größe von drei Metern Schulterhöhe und fünf Metern Körperlänge lebte vor zehn Millionen Jahren im mitteleuropäischen Raum. Eindrucksvoll repräsentiert das Skelett nicht nur die bis vor fünf Millionen Jahren in Europa beheimatete subtropische Fauna, sondern auch die einstige Vielfalt der Rüsseltiere, die bis in das Eiszeitalter fast weltweit verbreitet waren und von welchen heute nur noch die asiatischen und afrikanischen Elefanten übrig geblieben sind. Die Entdeckung des Gomphotheriums von Gweng im Jahre 1971 ist bis heute eine paläontologische Sensation. Nach wie vor stellt es einen der weltweit äußerst seltenen Funde voreiszeitlicher Rüsseltierskelette dar. Seine Bergung aus dem Bett des Inn war eine logistische und präparative Meisterleistung. Die 170 erhaltenen Einzelknochen bilden einzigartiges Vergleichsmaterial für jeglichen Aspekt zur Erforschung der Evolution des Elefantenskeletts. Die Originalknochen und -zähne werden in den Sammlungsräumen der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie aufbewahrt, um jederzeit Wissenschaftlern für Untersuchungen zur Verfügung zu stehen. Abgüsse des Skeletts können neben München, im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt, im Naturhistorischen Museum Basel und in Japan im City Museum Sendai besichtigt werden. Nur einmal im Jahr, am Tag der offenen Tür, öffnet das Paläontologische Museum seine sonst für die Öffentlichkeit verschlossenen Pforten, um einen Blick auf die Originalknochen des Gomphotheriums von Gweng werfen zu lassen.

Fossil des Jahres 2012

Von Brachiosaurus brancai wurden mehrere Teilskelette und ein außerordentlich gut erhaltener und vollständiger Schädel aus etwa 150 Millionen Jahre alten Sedimentgesteinen in der Umgebung des Tendaguru-Hügels geborgen. Die Vielzahl der gut erhaltenen Knochen macht diese Art zum größten, jemals so vollständig dokumentierten Dinosaurier. Die für die berühmte Skelettrekonstruktion im Museum für Naturkunde Berlin verwendeten Knochen des Brachiosaurus wurden schon im Jahre 1909 gefunden und bilden seit 1937 das Herzstück der Ausstellungen des Museums. Nachdem es über Jahrzehnte mit reptilartig abgespreizten Gliedmaßen aufgestellt war, wurden dem Skelett bei der Neu-Montage 2005 gerade unter dem Körper stehende Beine und eine weitaus dynamischere Haltung verliehen. Mit seinen 13,27 m Höhe (allein der Hals ist mehr als 9 m lang) ist es das weltweit höchste montierte Dinosaurierskelett und bringt Besucher wie Wissenschaftler zum ehrfürchtigen Staunen. Brachiosaurus brancai gehört zu den Sauropoden, riesigen Pflanzen fressenden Langhalsdinosauriern, die die größten Landtiere darstellen, die je auf der Erde gelebt haben. Im Gegensatz zu anderen Sauropoden besitzt er aber eine einzigartige „giraffenhafte“ Statur: die im Verhältnis zu den Hinterbeinen verlängerten Vorderbeine, einen im vorderen Rumpfbereich buckelartig erhöhten Widerrist und die vermutlich nahezu senkrechte Stellung des Halses. Dank einer raffinierten Leichtbaukonstruktion mit Luftsäcken zur Unterstützung der Atmung sowie einem komplizierten Spangen- und Hohlraumsystem an den Wirbeln war das Gewicht des Tieres trotz der gigantischen Größe überschaubar: derzeit wird es auf „nur“ 26 Tonnen geschätzt.

Die Überreste dieses gigantischen Dinosauriers wurden während der legendären Deutschen Tendaguru-Expedition entdeckt, die bis heute als einer der größten und erfolgreichsten wirbeltierpaläontologischen Expeditionen aller Zeiten gilt. Zwischen 1909 und 1913 wurde in der damaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika unweit der Stadt Lindi im heutigen Tansania eine der größten Saurierlagerstätten der Welt ausgegraben. Insgesamt wurden 235 Tonnen an Dinosaurierknochen geborgen und nach Berlin gebracht. Bis zu 500 einheimische Arbeitskräfte beteiligten sich damals gleichzeitig an den Grabungsaktivitäten.

Fossil des Jahres 2011

Die 1,72 m breite und 3,06 m hohe Fossilplatte zeigt drei Skelette des xenacanthiden Süsswasser-Hais aus dem saarpfälzischen Rotliegend (Meisenheim-Formation, M 6, Perm; nach HEIDTKE 2007). Sie wurde von einem Grabungsteam um Arnulf und Harald STAPF vom Paläontologischen Museum Nierstein bei Niederkirchen in etwa 30 Einzelplatten ausgegraben und seit 2007 fast 1,5 Jahre lang am Naturhistorischen Museum Schleusingen mit dem Druckluft-Präparierstichel durch Georg Sommer präpariert.

Die drei Skelette gehören zu der vor etwa 290 Millionen Jahren in der Rotliegend-Zeit weit verbreiteten Haifamilie Xenacanthidae, die seit der Ober-Trias als ausgestorben gilt. Auffällig sind der freie Rückenstachel (Dorsalstachel), die niedrige, lang aushaltende Rückenflosse (Dorsalis) und die eigentümliche Gestalt von Schwanz- (Caudalis) und Analflossen. Auch die Gestalt der Zähne mit zwei kräftigen Seitenspitzen und einer viel kleineren Mittelspitze ist harakteristisch für die xenacanthiden Haie (HEIDTKE 1999, SCHNEIDER & ZAJIC 1994). Die verkalkte Knorpelsubstanz der Haie vom Fundpunkt Niederkirchen ist infolge hoher Temperatur eines nahen magmatischen Körpers durch Apatit-Sprossung weiß gefärbt („Weiße Haie“).

Fossil des Jahres 2010

Der Schachtelhalm – Baum aus dem Perm wurde vor ca. 290 Millionen Jahren durch den bereits erwähnten Vulkanausbruch verschüttet. Er wurde bei Grabungen im Stadtteil Chemnitz-Hilbersdorf  2008 entdeckt und bis Ende Oktober 2009 auf eine Länge von 10 Metern freigelegt. Der Riesenschachtelhalm ist mehrfach verzweigt. Für die Paläobotanik ist er deshalb  von besonderer Bedeutung: er widerlegt die bisherige Annahme, dass diese Pflanzen im Perm nur un-verzweigt vorkamen.

Die Grabungen in Chemnitz–Hilbersdorf sollen bis September 2010 fortgesetzt werden. Bisher konnten mehr als 300 fossile Pflanzen freigelegt werden, darunter auch der Riesenschachtelhalm Arthropitys bistriata, der zum Fossil des Jahres 2010 gekürt wurde.

Der Riesenschachtelhalm ist auch in Deutschland rezent verbreitet. Er ist zwar mit dem fossilen Riesenschachtelhalm verwandt, doch handelt es sich aber um zwei völlig verschiedene Arten. Die Wuchshöhe des rezenten Riesenschachtelhalmes beträgt 1 – 2 m. Damit ist er der größte Schachtelhalm innerhalb der mittel-europäischen Flora. In der Beschreibung der nach § 20 LNatG M–V geschützten Biotope und Geotope im Wald und in dessen Umgebung findet er Erwähnung in der Vegetation des Quellbereiches. Seine Verbreitung ist in Mecklenburg–Vorpommern auf wenige Vorkommen beschränkt. Im Landkreis Müritz ist der Riesenschachtelhalm im NSG „Hellgrund“ nachgewiesen.

Fossile Funde des Riesenschachtelhalmes sind auf Grund der landschaftlichen Ent-stehungsgeschichte unseres Bundeslandes nicht zu erwarten. Als Geschiebe aus dieser Zeit sind vorrangig Vulkanite, wie z.B. Rhombenporphyre und Oslo–Ignimbrite, anzutreffen.

Fossil des Jahres 2009

Es war ein Jahrhundertfund: Der besterhaltene, fleischfressende Dinosaurier (Theropode), der jemals in Europa gefunden wurde, stammt aus jurazeitlichen Plattenkalken der Altmühltal-Region. Die neue Dinosaurier–Gattung erhielt 2006 den Namen Juravenator - Jurajäger. 

Juravenator gesellt sich zu den zahlreichen, in den letzten Jahren aus der Unterkreide von China bekannt gewordenen Theropoden, die unser Bild vom Aussehen der Dinosaurier geradezu revolutioniert haben. Der Fund von der Frankenalb kann diesen kreidezeitlichen Funden aus China durchaus Paroli bieten. Er zeigt sogar noch mineralisierte Reste der Weichteile wie etwa eine Beschuppung der Haut im Schwanzbereich.

Aufgrund seiner überragenden wissenschaftlichen Bedeutung wurde dieses auch optisch attraktive Fossil von der deutschen Paläontologischen Gesellschaft nun zum Fossil des Jahres 2009 gewählt. Juravenator ist – nach dem größten Ammoniten der Welt, der im Museum für Naturkunde in Münster ausgestellt ist – das zweite Fossil, das mit diesem Prädikat ausgezeichnet wird. 

Fossil des Jahres 2008

1887 wurde überraschend in einem Steinbruch bei Seppenrade (Kreis Coesfeld) im südlichen Münsterland, zirka 25 Kilometer südwestlich von Münster, ein Ammonit mit einem Durchmesser von 1,36 Meter entdeckt. Prof. Dr. Hermann Landois, Direktor und Gründer des damaligen Westfälischen Provinzialmuseums für Naturkunde und „Direktor der zoologischen Sektion des Westfälischen Provinzialvereins für Wissenschaft und Kunst“ in Münster glaubte, dass sich nun der größte Ammonit der Welt in Westfalen befände.

Die Versteinerung erregte in der Fachwelt großes Aufsehen - bis zum 23. Februar 1895. Landois erhielt aus Seppenrade ein Telegramm des Kaufmanns, Zoologen und Heimatforschers Theodor Nopto: „Seppenrade. Zweiter Riesenammonit gefunden. Durchmesser 1,80 m. Nopto.“ Tatsächlich hatte man im selben Steinbruch, in dem auch schon der erste Riese entdeckt worden war, ein weiteres Exemplar gefunden.

Der neue Fund ist nach wie vor der größte, der weltweit gefunden worden ist. Landois beschrieb den Neufund und gab ihm den wissenschaftlichen Namen Pachydiscus seppenradensis. Spätere Bearbeiter stellten das Fossil zur Gattung Parapuzosia, so dass er heute Parapuzosia seppenradensis heißt.

Bei der Bergung brach das Fossil in sieben Teile, die später wieder zusammengefügt wurden. Landois erwarb den Ammoniten für 125 Goldmark für das Provinzialmuseum und ließ ihn am 8. März 1895 nach Münster überführen und im alten Gebäude des Naturkundemuseums an der Himmelreichallee aufstellen. Im Dezember 1980 wurde der Riesenammonit vom alten zum neuen Naturkundemuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) transportiert.

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Am Freitag den 14. Februar 2013 gibt die Paläontologische Gesellschaft das Fossil des Jahres ...

Die Deadline für die ermäßigte Anmeldegebühr wurde bis zum 31. März 2014 verlängert.

May 21, 2014, in the Natural History Museum, South Kensington

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