04.10.2009 | Sandra Kaiser, Thomas Martin, Jes Rust

Bonn 5.10. - 7.10.2009

Kategorie: Jahrestagungen

Paläontologie - Schlüssel zur Evolution. Jahrestagung der Paläontologischen Gesellschaft vom 5.-7.10.2009 in Bonn.

Rund 270 Teilnehmer aus zehn verschiedenen Ländern konnte das Steinmann-Institut zur Jahrestagung der Paläontologischen Gesellschaft 2009 vom 5. bis 7. Oktober 2009 in Bonn begrüßen. Mit mehr als 80 Posterpräsentationen, über 100 Vorträgen und 13 Symposien bot die diesjährige Tagung ein reiches Spektrum von Themen an. Mit dem Motto "Paläontologie - Schlüssel zur Evolution" sollte im Darwin-Jahr deutlich herausgestellt werden, dass die Paläontologie als historisch ausgerichtete Naturwissenschaft eine Schlüsselposition in der Evolutionsforschung einnimmt. Zu diesem Rahmenthema wurden Symposien aus aktuellen Forschungsfeldern angeboten, und ein spezielles "Darwin-Symposium" befasste sich mit Darwins Evolutionstheorie aus heutiger wissenschaftlicher Sicht: Klaus Peter Sauer (Bonn) berichtete über Makroevolution und sexuelle Selektion, Rainer Willmann (Göttingen) über Artenwandel bei Fossilien, Else Marie Friis (Stockholm) über Darwins scheußliches Geheimnis - die Evolution der Blütenpflanzen, und Zhe-Xi Luo (Pittsburgh) über sekundäre Kiefergelenke bei Säugetieren. Aber auch Hilgendorfs Steinheimer Schnecken als der erste Fossilbeleg für Darwins Evolutionstheorie (Michael Rasser, Stuttgart) oder die Theorie des Punctuated Equilibrium (Henning Scholz, Berlin und Koautoren), überprüft an tertiären Mollusken, wurden vorgestellt und diskutiert. Weitere spannende Symposien gab es zum Thema Arthropoden, Evolution und Funktion von Gebissen, Vertebraten- und Invertebraten, Fossilien als Klima- und Umweltarchive, und auch die Mikropaläontologie kam nicht zu kurz: Zu Ehren von Klaus-Jürgen Müller (Bonn) fand ein Symposium statt, das neben aktuellen Fragen zur phylogenetischen Stellung der Conodonten (Hans-Peter Schultze, Lawrence) neben anderen Themen auch eine der berühmtesten kambrischen Lagerstätten ('Orsten') vorstellte, deren Potential von K.-J. Müller in den 60er Jahren entdeckt worden war (Dieter Waloszek und seine Ulmer Arbeitsgruppe). Erfreulich stark war die Paläobotanik in diesem Jahr vertreten, was dem großen Engagement von Carole Gee und Lutz Kunzmann, aber auch den vielen spannenden Beiträgen der Teilnehmer zu verdanken war. 

Eröffnet wurde die Tagung mit dem Tilly-Edinger-Symposium, in dessen Rahmen sich Nachwuchswissenschaftler unter 35 Jahren für den Nachwuchspreis der Paläontologischen Gesellschaft bewerben. Fünf Kandidaten waren aus der Reihe der diesjährigen Bewerber eingeladen worden, um einen Vortrag zu halten: Torsten Scheyer berichtete über Reptilien aus dem UNESCO Weltnaturerbe Monte San Giorgio, Tom Masselter über sekundäres Dickenwachstum bei paläozoischen Pflanzen, Christina Heller über Metabolismus und Biomineralisation in anaerob Methan oxidierenden Lebensgemeinschaften, und Jan Bohatý über die Ernährungsweise von devonischen Crinoiden. Den Preis gewann Joachim Haug (Ulm) mit seinem Vortrag zur "Ontogenese von Arthropoden- Fossiler Nachweis und Nutzen in phylogenetischen Analysen". Allen Kandidaten sei herzlich gedankt für ihre spannenden Vorträge. 

Vor und nach der Tagung fanden Exkursionen statt, darunter in das Tertiär der Niederrheinischen Bucht und in das Devon der Hillesheimer Mulde. Die oligozäne Flora und Fauna waren Thema der Exkursion nach Enspel. Auch die Kompaktkurse "Micro-CT" zur nicht-invasiven Untersuchung von Fossilien, "Öffentlichkeitsarbeit" und "Knochenhistologie" fanden großen Anklang. 

Neben wissenschaftlichen Vorträgen, Postern, Exkursionen und Kompaktkursen wurden zahlreiche Veranstaltungen angeboten, die in den Räumlichkeiten des Goldfuß-Museums, des Anatomischen Institutes, sowie abschließend auf einem Rheinschiff stattfanden. Die Preisverleihungen für den Tilly-Edinger Preis, den Posterpreis, das Fossil des Jahres, sowie die Verleihung der Zittel-Medaille wurden erstmals während des gemeinsamen Abendessens auf dem Rhein vorgenommen: Mit der Zittel-Medaille wurde Herrn K.-D. Weiß (Kelkheim) geehrt, und Angelika Hesse hob in ihrer Laudatio seine großen Verdienste um die Paläontologie hervor. Der Preis für das beste Poster ging an Simone Hoffmann (Bonn) und Koautoren über ein miozänes Schuppentier. Als Fossil des Jahres 2010 wurde der größte Calamit der Welt, vorgeschlagen von Ronny Rößler (Chemnitz), gewählt. Herzlichen Glückwunsch! 

Ein weiterer Höhepunkt der Tagung war der öffentliche Abendvortrag von Michael J. Benton von der Universität Bristol mit dem Titel 'Investigating evolutionary radiations' - ein hochaktuelles Thema aus der Evolutionsforschung. Michael Benton ist einer der führenden englischen Paläontologen, die sich mit Fossilien unter dem Blickwinkel übergeordneter Fragestellungen zu evolutionären Prozessen beschäftigen. Seine Forschung ist grundlegenden Fragen zur Vollständigkeit des Fossilberichtes, der Entwicklung der Biodiversität in der Erdgeschichte, dem Einfluss der großen Aussterbeereignisse am Ende der Perm- und der Kreidezeit auf die Entwicklung des Lebens auf der Erde sowie dem evolutiven Erfolg der Dinosaurier gewidmet. 

Neuwahlen und Ehrungen fanden in der Mitgliederversammlung statt. Für ihre hervorragenden wissenschaftlichen Leistungen und ihr Engagement für die Paläontologie wurden Prof. Otto H. Walliser (Göttingen) und Prof. Klaus J. Müller (Bonn) als Ehrenmitglieder ausgezeichnet. Prof. David Bruton (Oslo) und Frau Prof. Else Marie Friis (Stockholm) wurden mit der Korrespondierenden Mitgliedschaft geehrt. Die Laudatoren waren W. Langer (Bonn), H. Kerp (Münster), M. Sander (Bonn) und Hans-Peter Schultze (Lawrence). 

Zum neuen Präsidenten der Paläontologischen Gesellschaft wählte die Mitgliederversammlung Michael Wuttke aus Mainz. Nach zehn Jahren legte Angelika Hesse ihr Amt als Vizepräsidentin nieder und der scheidende Präsident dankte ihr herzlich für ihr großes Engagement für die Gesellschaft. Als neue Vizepräsidenten wurden Rainer Springhorn (Detmold) und Thomas Martin (Bonn) gewählt. 

Das Bonner Tagungsteam unter der Leitung von Thomas Martin und Sandra Kaiser bedankt sich bei allen Mitwirkenden für die rege Teilnahme, die vielen spannenden Beiträge, Ideen und Vorschläge.

Informationen zur Tagung in China vom 10.-13. Oktober 2017

 

Nach der erfolgreichen ersten gemeinsamen Tagung mit der Palaeontological Society of China in Göttingen im September 2013 gab es viel Fortschritt in der Paläontologie und verwandten Wissenschaften zwischen China und Deutschland. Um diesen Fortschritt zusammenzufassen und die Ergebnisse zu präsentieren, wird eine zweite gemeinsame Tagung in Yichang, Provinz Hubei, China vom 10.-13. Oktober 2017 stattfinden.

Update!

Das zweite Zirkular ist nun erhältlich und kann hier heruntergeladen werden.

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